Kotli

Koordinaten: 45°22'5.85"N, 14° 1'3.35"E

Kotli ist eine kleine Ortschaft mit verlassenen Häusern. Sie liegt am Oberlauf der Mirna, die sich hier durch den Flysch des Grauen Istrien schlängelt. An der Besorgnis erregenden Brücke, von der angegeben wird, dass sie 3 t trägt, befindet sich eine Konoba, die allerdings nur im Hochsommer geöffnet hat. An der Brücke gibt es genug Parkmöglichkeiten und von hier aus kann man eine leichte Wanderung der Mirna entlang flussabwärts starten.
 
 
Die Konoba von Kotli von der Brücke aus und der weitere Verlauf der Mirna hinunter zur alten Mühlenanlage. Der Fluss schleppt einigen Feinschluff heran, dennoch erscheint das Wasser klar. An den Felsen setzt sich das Material als weißer Überzug ab.
 
 
In diesen Topf fällt die Mirna und diesen Höhenunterschied nutzte man zum Bau einer Mühlenanlage. Zur Mühle hinunter gelangt man, wenn man den beschilderten Weg an einem Mauerdurchbruch verlässt und die paar Meter hinabsteigt. Im Frühjahr ist das lohnenswert, da die Mirna noch genügend Wasser führt und noch wenig Besucher durch das Bild laufen oder die freie Sicht verstellen.
 
 
An der alten Mühle stürtzt die Mirna über einige Kaskaden in die Tiefe. Von oben wurde das Wasser über hölzerne Rinnen auf oberschlächtige Mühlräder geleitet. Der Verfall der Mühle ist schon weit fortgeschritten. Man sollte diese Attraktion unbedingt erhalten.
 
 
Ausgewaschene Felsen und erodierte Formen wird man entlang der hier manchmal turbulent strömenden Mirna öfter finden. Mirna bedeutet eigentlich "die Ruhige" oder "Quieto", wie der Fluss auf italienisch heißt. Aber richtig ruhig wird der Fluss erst im Mittellauf ab Buzet.
 
 
Der Weg oberhalb der Mirna am rechten Flussufer führt durch einen Strauchwald. Der Großteil der Sträucher sind Orientalische Hainuchen, nur vereinzelt leuchten einem im Frühjahr die gelb blühenden Kornelkirschen entgegen. Ab und zu stößt man auf ein paar Zerreichen, deren verwelktes Laub den Boden bedeckt. Im Unterholz gedeiht hier üppig der immergrüne Mäusedorn, der im Frühling die winzigen Blüten inmitten seiner harten, spitzen Blätter präsentiert. An manchen Exemplaren leuchten noch die reifen roten Beeren vom Vorjahr. An lichten Stellen bodenbedeckend, sonst die Baumstämme empor klimmend, ist der Efeu allgegenwärtig. Überall ist das Scharbockskraut zu finden, im Schutz von Baumstämmen wachsen Nester des März-Veilchens. Auch die Nieswurz ist anzutreffen und an feuchteren Stellen vor allem näher bei der Mirna die Erd-Primel. Nur vereinzelt: Leberblümchen, Lungenkraut, Gefleckter Aronstab, Gelbe Osterluzei und Cyclamenblätter. Wo die Sonne durchkommt, steht die Gefleckte Taubnessel. Spargel wächst hier überall.
 
 
Bemerkenswert ist die Mauer entlang des Weges. Auch die Wegbefestigung an der gegenüberliegenden Seite deutet darauf hin, dass es sich um eine uralte Straße handeln muss - ein Mühlenweg hinaus nach Buzet. An den Mauern findet man den Braunstieligen Streifenfarn und den Schriftfarn. An sonnenbeschienenen Stellen ist sogar die Hauswurz zu entdecken.
 
 
Die Steine am Weg sollte man unbedingt beachten: Der Foraminiferen-Arenit ist reich an Nummuliten, deren Anschnitte oft die Kammerung erkennen lassen. Die Abdrücke erreichen oft Durchmesser von 3 - 5 cm.
 
 
An manchen Stellen gibt der Strauchwald einen Blick auf den gegenüberliegenden Hang frei. Hier sieht man schön auf die erodierte Wechselfolge von mergelig-tonigen Schichten und kompakteren Kalkbänken. Das blaugaue Material verwittert zu feinstplattigem Grus und wird leicht vom Regenwasser abgetragen. Die feinsten Fraktionen davon liefern die hellgraue Sedimentfracht der Mirna. Der istrianische Flysch wurde auf die älteren Kreideschichten, die fast dreiviertel der Halbinsel ausmachen, abgelagert. Dieser Flysch ist nicht mit dem ostalpinen Flysch gleichzusetzen. Er wurde in viel seichterem Wasser abgelagert. Allerdings steht er in direktem Zusammenhang mit der Angliederung der Mikroplatte Adria an die Dinariden während der alpidischen Orogenese.
 
 
An manchen Stellen kann man zur Mirna absteigen. Am interessantesten ist es dort, wo ein Rauschen zu vernehmen ist, denn dort sind Turbulenzen und kleine Wasserfälle zu erwarten. Ruhig ist der Fluss aber noch immer und lädt zu einer Rast auf den Uferfelsen ein.
 
 
Ja, hier gibt es genau diese Pools mit stehendem Wasser, die über ein flaches Maul in das nächste Becken auslaufen, so wie man sich das für das eigene Grundstück in einer lauschigen Ecke ausmalen möchte, dann, wenn die Million im Lotto gewonnen ist. Die Million im Lotto gibt es nicht und auch die erkaufte Idylle wird nicht dasselbe sein. Um das zu erleben, muss man eben hierher kommen und jedermann kann das tun und wenn man dazu noch die Ruhe der Einsamkeit genießen will, dann ist Ostern die richtige Zeit.
 
 
 
 
 
 
 
 
Nach den Turbulenzen ergießt sich die Mirna erneut in ein ruhiges Becken. Auf dem Rückweg entdeckt man fast alles, was man am Hinweg übersehen hat.
Aufnahmen: 26.03.2018
 
 
Auf der Rückfahrt nach Prodol quert man nach Hum bei der kleinen Ortschaft Erkovčići die Bahnstrecke Lupoglav - Pula. Im Hintergrund erkennt man die schneebedeckten Berge der Ćićarija, davor die steile Autobanbrücke, über die man zwangsläufig fährt, wenn man schnell von Lupoglav nach Pazin gelangen will. Es ist lohnend, einmal unter der Autobahnbrücke durchzufahren und rechts die schmale Straße zu nehmen. Sie verläuft mehr oder weniger parallel zur Autobahn und bietet einige hervorragende Aussichtspunkte.
 
 
Blick hinüber zur Učka. Rechts über den Wipfeln der Schwarz-Kiefern liegt Boljun.
 
 
Doljena Vas