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Tra na Rossan - Cnoc ná Sliagh

Koordinaten: 55°13'41.23"N, 7°48'54.42"W

Zunächst gilt es den mit dem Strandhafer bewachsenen Dünenwall zu überwinden. Obwohl es nur wenige Meter sind, ist man froh, den höchsten Punkt zu erreichen, denn der Sand rutscht nach unten und reduziert die Effektivität des Schrittes um die Hälfte. Je mehr Kilogramm du mitschleppst, desto schwieriger ist es - eine Binsenweisheit, aber hier erinnerst du dich wieder daran.
 
Ein Blick von der Kuppe der Düne auf den Hügel, den man Cnoc ná Sliagh nennt. Für mich hat sich der Name wie "Kruknaschlei" angehört. Dort hinauf führte die Wanderung. Zwar nicht auf den Gipfel, doch auf die Erhebung in der Mitte des Bildes. Rechts neben den bereits völlig verwachsenen Dünen ("weiße Dünen" oder Strandhaferdünen) sieht man auf das flache Areal dahinter, das durch Abtragunf des Dünensandes entstanden ist. Der Boden ist aufgrund der enthaltenen Schalenresten von Muscheln kalkhaltig. Saure Einträge werden hier also neutralisiert. Man nennt diesen Bodenmischtyp "machair" (ein gälisches Wort).
 
Tra Na Rossan
Ein Blick auf Tra na Rossan vom nördlichen Rand der Bucht. Rechts der Mitte sieht man auf Glenoory. Hier trifft man auf viele Badelustige, der Weg hinauf zum Cnoc ná Sliagh ist praktisch menschenleer. Man könnte natürlich hier stundenlang die Schönheit der Bucht auf sich wirken lassen - aber das kann man einmal machen, wenn man sich nicht mehr bewegen kann. Und Bewegungslosigkeit kann unterschiedliche Ursachen haben.
 
Ein erster Anstieg, vorbei an Schieferfelsen der Upper Falcarragh Pelite Formation, wild seinen Weg suchend durch Graue Heide und Besenheide und diverse Binsen ist schnell geschafft. Für diverse Pfützen, in denen interessante Pflanzen wachsen, muss man sich ein wenig Zeit nehmen.
 
Es öffnet sich der Blick über die Sheephaven Bay bis hinüber zum Horn Head. Sogar Tory Island ist auszumachen. Die hier vorgelagerten Felsen haben schon immer zum Kentern eingeladen.
 
Da wurde ein Felsen angeschlagen und man erkennt zweifelsfrei den Granit, der wahrscheinlich aus dem Gipfelbereich stammt. Die Böden auf Cnoc ná Sliagh wie auch auf der gesamten Halbinsel sind dennoch kalkhaltig.
 
Also wirklich leicht zu erkennen: Die Dreiheiligkeit des Plutonismus. Im Falle des Glimmers handelt es sich um den Dunkelglimmer, den Biotit.
 
Ein paar Meter hinunter zu einer Höhlung mit einer sagenumwobenen Geschichte. Der Abgrund ist fürchterlich, man kann sich eigentlich nur bäuchlings an die Kante wagen. Das Loch bricht hinaus ins Meer. Es wäre vielleicht interessant, über das Innere abzusteigen.
 
Von einem Felsvorsprung sieht man die Verbindung des Ausbisses mit dem Meer. Mit dem Fotoapparat in der Hand überfällt einen ein Gefühl der absoluten Unsicherheit ob des drohenden Abgrunds. Man beginnt fast automatisch zu schwanken, drückt ab und macht schleunigst kehrt.
 
Blick von eben diesem Felsvorsprungin die andere Richtung. Hier liegt eine Felsinsel, die wohl noch nie begangen wurde, denn selbst im Hochsommer beträgt die Wassertemperatur hier lediglich maximal 14°C. An der Adria könnte man eine solche Aufnahme ohne darauf Liegende und damit den Anblick störende Sonnenbadende kaum machen.
 
Schließlich gelangt man zum Rosses Point und beobachtet Schafe beim Fressen. Eine kurze Rast ist angesagt, bis man sich dessen bewusst wird, dass Fressen den Alltag nur für kurze Zeit vergessen lässt.
 
Nach dem Fressen genügt dem Schaf der Schlaf, während man selbst die nächste Unbekannte aus der Pflanzenwelt entdeckt hat: Den Englischen Mauerpfeffer.
 
Und wieder zurück, aber in nordöstlicher Richtung, vorbei an einigen Stellen mit dauerhaft nassem Untergrund und entsprechendem Bewuchs: Schon von Weitem deutet das Wollgras auf die dortigen Verhältnisse hin.
 
Vielleicht 100 Meter weiter steht man an einem Kamm des Hügels, von dem man einen weiteren Blick hinab zur Küste im Westen auf die schräg einfallenden Gesteinsplatten hat.
 
Der Shanlough Point begrenzt die Boyeeghter Bucht im Norden. Hier kann man die Natur ohne Begrenzung durch Zäune begehen.
 
Endlich ist es soweit: Der Blick auf die Boyeeghter Bucht. Vielleicht ist der Blick von weiter oben noch schöner und daher startet man fast unwillkürlich und damit eigentlich von einer inneren Willkür getrieben nach oben.
 
Ich denke, es gibt keinen besseren Platz, von dem aus man die Boyeeghter Bay besser fotografieren kann. Selbst das Murder Hole ist zu sehen und Melmore Lough auszumachen und die Caravan-Siedlung von Melmore stört von hier aus gesehen nicht wirklich. Man wollte hier nicht weg, allein der Wind verhindert ein allzu langes Verweilen.
 
Der Blick um 180° gedreht ist aber nicht minder schön: Eine Moorlandschaft, die nur dann alles preisgibt, wenn man langsam und bedächtig durch sie schreitet und auf die Feinheiten achtet. An einem Tag wie diesem sind es gleich mehrere Faktoren, die einen alles vergessen lassen, was zum Vergessen taugt: Das Licht, die Landschaft, der granitische Untergund, die Ruhe und die spezifische Komposition der Pflanzen in diesen moorigen Gesellschaften.
 
Zurück zum Abstieg nach Tra na Rossan mit einem Blick zur Mulroy Bay und zum Saltlough Mountain.
 
Tra Na Rossan
Keine aufgereihten Liegestühle, kein Kiosk, keine aufdringlichen Verkäufer mit Bauchladen.
Quelle: Tranarossan and Melmore Lough SAC (site code 194) Conservation objectives supporting document -coastal habitats
Aufnahmen: 18.07.2017
 
Tra na Rossan im April 2019
 

Auf der Wanderung bemerkte Pflanzen

Strandhafer Acker-Gänsedistel
Gewöhnlich-Reiherschnabel Schwarzes Kopfried
Hunds-Löwenzahn Tausendgüldenkraut
Kriech-Klee Moor-Lilie
Moor-Johanniskraut Zarter Gauchheil
Besenheide Graue Heide
Glockenheide Rundblatt-Glockenblume
Englischer Mauerpfeffer Schmalblatt-Wollgras
Knöterich-Laichkraut Brennender Hahnenfuß
Geflecktes Knabenkraut Wald-Läusekraut
Kriech-Weide Blutwurz
Hundswurz Adlerfarn
Torfmoos Rundblättriger Sonnentau
Fettkraut Brunelle
 
Quendel