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Feige

(Ficus carica)

Ficus carica
Ficus hieß die Feige schon bei den Römern. Carica = karisch = aus Karien (historische Landschaft in der SW-Türkei). Die Feige wurde durch die Phönizier im ganzen Mittelmeerraum verbreitet. Heute wird der Baum/Strauch auch in Mitteleuropa in Gärten erfolgreich angepflanzt.
Für uns am interessantesten ist natürlich der Geschmack der Feigen. Jedoch ist die Blütenbiologie auch bemerkenswert. Es gibt 2 Variationen der Feigen: Die ungenießbaren Bocksfeigen und die deliziösen Kulturfeigen. Bei beiden sind die Blüten seltsam gebaut: Die Blütenunterseite wuchert zu einem birnenförmigen Gebilde aus, weibliche Blüten befinden sich innen am Blütenboden, die männlichen Blüten oben nahe der krugförmigen Öffnung. Bei den Bocksfeigen sind die Griffel kurz, bei den Kulturfeigen lang. Nun kommt die Bestäuberin ins Spiel: Eine Gallwespe. Sie kriecht in den Blütenstand der Bocksfeige und legt dort mit ihrem Legestachel die Eier in den kurzgriffeligen Samenanlagen ab. Die Larven fressen sich satt und irgendwann schlüpfen die Insekten, kopulieren noch innerhalb der Frucht und verlassen die Feige. Dabei streifen sie am Eingang des Blütenstandes die Pollen ab und nehmen sie zwangsläufig mit. Naturgemäß unterscheiden die Gallwespen die Feigenvariationen nicht und besuchen auch den Blütenstand einer Kulturfeige. Sie dringen ein und bestäuben so die weiblichen Blüten und möchten natürlich ihren Legestachel in die Fruchtanlagen stechen. Diese aber sind langgriffelig und die Griffel sind länger als der Legestachel. Die Bestäubung hat funktioniert, aber das war nicht im Sinne der Gallwespe. Es reift eine essbare Feige. Anders natürlich, wenn die Gallwespe eine Bocksfeige besucht. Darin kann sie ihre Eier ablegen und bekommt Nachkommen. Das wussten schon die Alten (von Plinius und Herodot überliefert), bei denen die Bocksfeigen „Caprificus“ hießen. Damit sie zu Kulturfeigen kamen, hängten sie Bocksfeigenzweige in die Kulturfeigenäste und „caprifizierten“ sie. Mittlerweile gibt es aber auch Feigensorten, die ohne Bestäubung auskommen.
 
Ficus carica
Aufnahmen: 24.08.2013 Vrsar
 
Ficus carica
Aufnahme: 20.08.2013 Banjole
 
 Ficus carica
Aufnahme: Nerezine, Losinj, August 2004.
 
 Ficus carica
Aufnahme: Banjole, August 2004.