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Rosguill

(Ros Goill)

Koordinaten: 55°12'37.58"N, 7°50'14.41"W

Rosguill ist eine Halbinsel im Norden des County Donegal. Im Norden der Halbinsel trifft man auf Granitoide, zum Teil Quarzite und Migmatite. Der größte Teil des Untergrundes besteht aber aus diversen Metamorphiten der Dalradian-Supergroup. Diese Schichten stammen aus dem Proterozoikum und Paläozoikum und also sind die Gesteine zwischen 800 und 470 Mio jahre alt. Sie sind aus Sedimenten des Iapetus-Ozeans entstanden und wurden in die kaledonische Gebirgsbildung eingebunden. Vor 400 Mio Jahren drangen 6 große Plutone im Gebiet in die älteren Schichten ein. Ein kleiner Pluton ist der Fanad-Pluton. An manchen Stellen sind noch Schollen des alten Bestandes in den granitischen Gesteinen vorhanden. In Ermangelung einer guten geologischen Karte des Gebiets, zeichnete ich das für mich sichtbare Vorkommen der granitischen Massen ein. Geht man den Atlantic Drive von Clontallagh bis zur Westüste von Rosguill, so trifft man zunächst auf die alten metamorphen Schichten. In Clontallagh selbst ist in einer Kurve ein dunkles Gestein aufgeschlossen, das an einen Amphibolith erinnert. Das Gestein des Felsens in der Bucht bei Glenoory besteht ebenfalls noch aus diesen alten Metamorphiten. Gleich danach am Atlantic Drive in nordwestlicher Richtung stößt man allerdings bereits auf den Granit. Auch der gesamte Bergrücken von Cnoc ná Sliagh besteht aus Granit. In der Boyeeghter Bucht ist viel Quarzit zu sehen und beim Murder Hole sieht es ganz nach einem Migmatit aus.
Die in der Karte eingezeichneten Straßen geben nur den ungefähren Verlauf wieder, nicht begangene oder befahrene Straßen wurden nicht eingezeichnet. Die Karte enthält Hotspots (mouseover).
Hier ein Versuch, die Geologie von Nord Donegal zu verstehen.
 

Die Kaledoniden im Bereich von Donegal (Nordirland)

Im Präkambrium (vor 541 Mio Jahren) existierten bereits die Kontinente Baltica (Baltischer Schild, Ur-Europa) im Osten, Laurentia (Teile N-Amerikas und Grönland) im Westen und Avalonia (nördlicher Teil des Südkontinents Gondwana) im Süden.

Im jüngeren Präkambrium entstand zunächst eine Riftzone zwischen Laurentia und Baltica, beide Kontinente drifteten auseinander. Schließlich wurde die Riftzone geflutet und in weiterer Folge bildete sich zwischen beiden Kontinenten ein breites Meeresbecken, der Iapetus-Ozean oder Ur-Atlantik, wenn man so will. Seine größte Breite hatte er im Kambrium (541 - 485 Mio J).

In diesem Meeresbecken setzten sich naturgemäß Unmengen Sedimente ab. Im Zeitraum vom Ordovizium bis zum Silur (485 - 419 Mio J) schloss sich das Becken des Iapetus durch gegenläufige Kontinentalbewegung wieder. Wie immer bei einer derartigen Orogenes kam es auch hier zu Subduktionen und in der Folge zum Herausheben eines gewaltigen Gebirges (Orogen), den Kaledoniden. Dabei wurden quasi die alten Landmassen von Laurentia und Baltica miteinander verschweißt.

Was Donegal und den Rest Nordirlands anbelangt, gehörte diese Masse ursprünglich zu Laurentia, also mehr oder weniger zu Grönland. Die Schweißnaht (Iapetus-Sutur) verläuft quer durch Mittelirland in SW-NE-richtung und setzt sich in Schottland fort. Den größten Teil des östlichen Anteils der Kaledoniden findet man heute als das skandinavische Gebirge in Norwegen und Schweden.

Das in der Riftzone und im entstehende Iapetus-Ozean abgelagerte Material wird in mehrere Gruppen gegliedert. In Donegal findet man hauptsächlich metamorphe Ablagerungen der sogenannten Dalradian-Serie. Durch das Verschweißen entstand der Großkontinent Laurussia, der auch Old Red-Kontinent genannt wird (bei der späteren Abtragung der Gebirge entstanden vorwiegend rote Sandsteine). Laurussia und weitere im Laufe der Zeit angeschweißte Landmassen bildeten schließlich den Superkontinent Pangäa.

Im Mesozoikum begann dann Pangäa auseinanderzubrechen. Die nördliche Landmasse wird nun Laurasia genannt und umfasste Nordamerika, Grönland, Baltica und Sibiria. Donegal und das kaledonische Gebirge lagen mitten drin. Dramatisch wurde es nun am Ende des Mesozoikums, als auch Laurasia zu zerbrechen begann und sich der bis heute erhaltene Atlantik auftat. Das Kaledonische Gebirge wurde dadurch auseinandergerissen, sodass man Teile davon in Nordamerika, Grönland, den britischen Inseln und Skandinavien findet. Aber das ist eine kürzeste Kurzversion der Geschichte.

 
 
Die Halbinsel vom Lough Salt aus gesehen. Ein relativ schmaler Dünenstreifen, der als Golfpark genutzt wird, verbindet heute die Halbinsel mit dem Festland. Es ist sicher, dass hier eine ehemalige Insel durch Dünenaufschüttung zur Halbinsel wurde.